Evangelisch-Lutherische St. Trinitatisgemeinde Leipzig

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Warum Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) bei so viel (?) Luthertum ringsum?

Die Frage sollte gestellt werden, weil wir eine so kleine und über einen weiten Raum verstreute Kirche und Gemeinde sind. Die Frage sollte also auch zunächst einmal in der allgemeineren Form gestellt werden. Warum versuchen wir, eine so kleine und im ganzen Land nur hier und da vorhandene, tupferhaft vorkommende, Diasporakirche zu erhalten? Warum überhaupt? Andere Kirchen sind überall da, nahezu in jedem Ort von einiger Bedeutung vertreten. Sie sind flächenmäßig ausgebreitet. Wer immer wohin umzieht, findet am Ort oder in erträglicher und leicht zu überwindender Entfernung seine Kirche wieder.

Unsere SELK ist längst nicht überall. Wer im Laufe seines Lebens aus beruflichen oder anderen Gründen ein paarmal den Wohnsitz wechselt, der muß schon ganz großes Glück haben, unsere Kirche direkt am Ort zu finden. Manche, die treu bleiben wollen, legen am Sonntag 10, 20, 30, ja 40 und 50 km einfachen Weg zurück, um die Gottesdienste mitzufeiern. Sie müssen das tun, was Wilhelm Löhe im 19. Jahrhundert den bekenntnistreuen Lutheranern in Bayern empfahl, die an ihrem Ort und in ihrer näheren Umgebung keinen Pfarrer hatten, der das Evangelium rein und unverkürzt predigte, und keinen Altar ohne Abendmahlsmengerei: sie müssen wallen! Ich weiß nicht, wieviel Prozent unserer Kirchglieder im ganzen „wallen” müssen. ¼ wird es bestimmt sein!

Und in unserem Pfarrbezirk wallen auch nicht wenige, oder sind jedenfalls auf´s „Wallen”, modern gesprochen: auf´s Fahren angewiesen, wenn sie mit der eigenen Kirche den Kontakt behalten wollen. Unsere Parochie hat Gemeindeglieder in Torgau, Grimma, Borna, Bad Lausick und bei Riesa. Wir sind verstreut über das westliche Nordsachsen und sind auch in Leipzig selbst kaum in der Nähe des Kirchgrundstücks angesiedelt. Unsere nächsten Kirchgemeinden sind in Weißenfels, Halle/S. und Dresden. In der Lutherstadt Wittenberg wird versucht, ein kirchliches Zentrum aufzubauen.

Ist da nicht einfach zu viel Aufwand nötig? Lohnt sich ein solches Gemeindewesen, und droht die Leute mit den weiten Wegen auf die Dauer nicht Müdigkeit und Lustlosigkeit abwendig zu machen? Oder, wenn´s so weit nicht kommt, ist vielleicht mancher am Ende nur zähneknirschend treu? Nicht Einsicht hält ihn bei der Fahne, nur das Empfinden: es ist doch schäbig, den kleinen Haufen um der Bequemlichkeit willen im Stich zu lassen!

Hinzu kommt: Unsere meist kleinen Kirchgebäude können sich mit den großen und imposanten Gotteshäusern der Landeskirchen und auch Roms kaum irgendwo messen. Fast überall fehlen Turm und Glocken, hier gibt es statt der Orgel nur ein Harmonium, dort ist es überhaupt keine freistehende Kirche, die als solche weithin kenntlich ist, sondern nur ein in einen größeren Komplex eingebauter Kirchsaal. In Leipzig nutzen wir die Notkirche, würdig renoviert, die nach dem letzten Krieg gebaut wurde. Vielfach Notlösungen, oft zu Gast in fremden Einrichtungen, und wo wir Eigenes bauen und unterhalten, da sind die kleinen Gemeinden oft überfordert in ihrer finanziellen Kraft und regelmäßigen Pflege.

Wo gibt es bei uns eine Gemeinde, die einen Kindergarten unterhalten kann, ein Altersheim, ein Krankenhaus, eine andere diakonische Einrichtung? Gewiß, wir haben ein paar solche Einrichtungen der Gesamtkirche, aber diese sind für die meisten Kirchglieder weit weg. Was für die kleinen Gemeinden je an ihrem Ort oder in ihrem Gebiet im ganzen gilt und für die Darstellung diakonischer Wirksamkeit, das gilt dann beispielsweise auch auf dem Gebiet des Unterrichts und der Jugendarbeit. So könnte man sich also überhaupt fragen: lohnt es sich, ein so kleines und von der Zerstreuung gekennzeichnetes Kirchenwesen mühsam aufrechtzuerhalten, wo doch andere Kirchen ein viel vorteilhafteres Bild bieten und ein Angebot darstellen, das alles leichter macht?

Fangen wir mit dem fernerliegenden an: die römisch-katholische Kirche wird bei uns als Gegenüber wenig wahrgenommen, spielt auch als Großkirche keine vorherrschende Rolle in unserem Umfeld. Für die meisten unserer Kirchglieder ist klar: wir können den Tausch nicht machen, weil´s hier ganz massiv um Wahrheit oder Irrtum geht!

Konzil hin Konzil her: römisch-katholisch kann man bis heute nicht sein, ohne sich mit Gemeinde und Kirche, Lehre, Gottesdienst und Leben den Weisungen des römischen Papstes zu unterstellen. Und auch Gottesdienstreform der römisch-katholischen Kirche hin und her - es hat sich ja dort in den letzten Jahrzehnten viel verändert, oft bis zum Kaum-Wiedererkennen von früher her vertrauten Texten und Formen - , aber wo die Messe der römischen Kirche diesen Namen überhaupt noch verdient und nicht entartet ist zum Versuchsfeld der Naiven oder Revolutionäre, da ist sie immer noch Opfermesse, und das heißt für uns nicht mitvollziehbar!

Die offiziellen neuen Kanonstexte der römischen Messe sagen nach wie vor aus, daß das einmalige Opfer Christi am Kreuz der Kirche im Sakrament zum Mitvollziehen übergeben ist. Sie ist, laut den Meßtexten und auch laut Vaticanum II, am Kreuzopfer aktiv beteiligt. Das ist und bleibt Irrlehre im Herzen des christlichen Gottesdienstes.

Wir reden auch vom Opfer: es ist tatsächlich der für uns geopferte Leib und das für uns geopferte Blut Christi, das in dem Brot und in dem Wein des Heiligen Abendmahles uns zur Vergebung der Sünden vorhanden ist und ausgeteilt wird. Wir opfern Lob und Dank, wir opfern Herz und Gemüt, Stimme, Zeit, Geld, wir bieten Gott aus Dank für Golgatha uns selber an. Ja, wir lassen uns - zögernd und unvollkommen genug - in Christi Opfer hineinnehmen und hineinziehen. Aber immer bleibt dabei Luthers klare und großartige Einsicht wahr: Nicht wir opfern Christus, sondern ER opfert uns!

Weil diese biblische Wahrheit in der römischen Kirche (die größte Konfession weltweit!) immer noch entstellt und verdreht ist, kann uns die Verlockung durch Rom kaum zur Gefahr Nr. 1 werden.

Vielleicht noch weniger die Verlockung durch die reformierte Kirche. Aber wo gibt's die schon? Wer kennt sie? In Leipzig gibt es die stattliche Reformierte Kirche am Ring. Wer weiß aber, was sie lehrt? Vielfach nennen Unwissende alle Kirchen der Reformation „reformiert”. Altreformierte könnten uns vielleicht beeindrucken.

Verlocken kann die reformierte Kirche doch kaum einen lutherischen Christen, der je am Altar seiner Kirche Zuhause war und noch etwas vom Heimweh dahin verspürt. Wer einmal gelernt hat: „Was ist das Sakrament des Altars? Es ist der wahre Leib und Blut unsers Herrn Jesu Christi, unter Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken, von Christus selbst eingesetzt.” (Kleiner Katechismus, 5. Hauptstück, Zum ersten) Wer in den Gottesdiensten der lutherischen Kirche empfunden hat, wie im heiligen Abendmahl das ganze Evangelium von der Menschenfreundlichkeit Gottes und von seiner tiefen Herablassung zu uns konzentriert ist, den fröstelt's und fremdelt's in der reformierten Kirche so sehr, daß es ihn zurücktreibt zu den Altären unserer Kirche.

Aber ist denn die unierte Kirche nicht ein Angebot?

Wir wissen wohl einen Unterschied zu machen zwischen nominell lutherischen und unierten Landeskirchen. Unser Gegenüber ist die sächsische lutherische Landeskirche. Aber wir wissen auch, wie brüchig das Luthertum dort ist (dazu weiter unten mehr). Wir haben mit Schmerz zur Kenntnis genommen, daß eine lutherische Landeskirche letztens spurlos verschwunden ist: die evang.-luth. Landeskirche Thüringens ging in der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands auf. Wenige Treue kämpften dort bis zuletzt, um aufzuzeigen, welchen Schatz man damit preisgibt.

So meinen wir, daß die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Union auch in nominell lutherischen Landeskirchen zur Vollendung gebracht hat. Die EKD ist nicht nur groß, sondern, so schien und scheint es jedenfalls oft und an vielen Orten, auch großherzig, weitherzig, offen für alle, offen auch für Lutheraner und Luthertum, ein Haus mit vielen Räumen, in dem man uns vielleicht auch ein Zimmer überlassen würde, und wir hätten's dann doch so viel einfacher, so weniger mühevoll, wären miteingefügt in eine Gesamtorganisation, die uns manches abnähme, womit wir als kleine Diasporakirche doch nicht fertigwerden.

Wir müssen rundheraus eingestehen: für manchen einsam wohnenden Lutheraner ist die unierte Verlockung groß! Die Evangelische Kirche. Und für manche Familie, die irgendwo wohnt, 25 oder 30 Kilometer oder mehr von unseren Kirchen weg; ihre Kinder die einzigen am Ort, die nicht mit den anderen, nunmehr auch sehr wenigen Christen zum allgemeinen Konfirmandenunterricht gehen; jeder Gottesdienstbesuch ein Unternehmen, und die Teilnahme an Gottesdienstveranstaltungen in der Woche so gut wie unmöglich. Ist dann die Verlockung nicht groß, wenn man auch noch das Glück hat, am Ort einen Pfarrer anzutreffen, der sich in der Verkündigung an die Heilige Schrift hält und vom Sakrament deutlich sagt, daß er's mit Luther und der lutherischen Kirche für das achtet, was es ist, nämlich Christi Leib und Blut?

Wenn man das Glück hat, die landeskirchliche Gemeinde einigermaßen lutherisch geprägt vorzufinden, sodaß man sich fast dort zuhause fühlen könnte?

Aber wir reden jetzt immer nur vom Glück! Von dem Glücksfall, daß Gottesdienst und Unterricht in einer landeskirchlichen Gemeinde sich weithin nach dem lutherischen Bekenntnis und lutherischer Sitte richten! Dieser Glücksfall wird - leider - immer seltener, andere Strömungen und Prägungen drängen sich vor, und wo in unierten Gemeinden sich doch manches Lutherische findet, da ist es vielfach zurückgebliebenes Beiwerk, aber nicht mehr das Herz und die Mitte. Man hat einfach vergessen, dies und jenes abzuschaffen, das an Luthertum erinnert, oder man hat noch keinen anerkannten Ersatz dafür! Der Glücksfall! Unser Bekenntnis darf in der Kirche niemals Glückssache sein, nicht deswegen in Geltung, weil der jeweilige Pfarrer und der mit ihm harmonisierende Kirchenvorstand ihm jetzt noch den Vorzug geben, aber was dann passiert, wenn dieser Pfarrer abgelöst wird, wenn der Kirchenvorstand sich anders zusammensetzt, das steht in den Sternen! Das Bekenntnis der lutherischen Kirche bindet die Kirche immer und an allen Orten: was heute gilt, das muß auch morgen noch wahr und verbindlich sein, und was in unserer Einzelgemeinde gilt, in unserem Pfarrbezirk, das bindet auch alle Gemeinden, mit denen wir Gemeinschaft haben, in Verkündigung und Unterricht, im Gotteslob und bei der Feier des Sakraments.

Wir wollen nicht Kirche des Glücksfalles sein; wir sind eine Kirche, die mit ihrem Bekenntnis steht oder fällt!

Das Bekenntnis ist nicht ins Belieben einer Gemeinde gestellt: heute so, morgen vielleicht anders. Und das Bekenntnis hat niemals nur partikulare Bedeutung: hier gilt das lutherische Bekenntnis, aber selbstverständlich erkennen wir an, daß die Nachbargemeinde, die Nachbarlandeskirche schadlos einem anderen Bekenntnis folgen kann, und halten doch mit ihr volle kirchliche Gemeinschaft! Dann gilt in Wahrheit kein Bekenntnis irgendwo wirklich; es ist kein Bekenntnis mehr, das zur Kirche zusammenbindet, es sind lauter Meinungen, und wenn man Glück hat, findet man die eigene Meinung in der eigenen Kirche häufig wieder!

Warum SELK bei so viel(?) Luthertum ringsum? Ist es wirklich so viel? Ich wage nicht über die Landeskirche ein Urteil zu fällen. Aber seht, dann müßten wir ja auch wieder „wallen”. Fahren müßten wir so oder so, um Luthertum zu finden. Dann fahren wir lieber und finden nicht nur Luthertum, sondern lutherische Kirche, Kirche und Gemeinde, in der das Luthertum nicht seltener Glücksfall ist, sondern Lehre und Gottesdienst ordnungsgemäß und verbindlich nach dem lutherischen Bekenntnis ausgerichtet.

Anmerkungen:

Diaspora (griech.) = Zerstreuung

Abendmahlsmengerei: eine Praxis, die es für gleichgültig erklärt (und dementsprechend handelt), ob jemand glaubt, daß er im Altarsakrament tatsächlich den Leib und das Blut Christi in dem Brot und Wein empfängt oder ob er glaubt, daß Brot und Wein im Abendmahl bloße Zeichen sind.

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